Der ständig Liebende

Sind wir derzeit seine Auserwählte, dann haben wir verdammt Glück.

Denn nichts tut so gut, wie von ihm geliebt zu werden. Er kennt sich darin aus, denn es ist sein Job. Der ständig Liebende liebt einfach so wahnsinnig gerne. Und so wahnsinnig gut.

Er trägt uns auf Händen, bettet uns auf Rosen. Er fragt nicht erst, ob er unser weißes Metallstangen-Bett von Ikea aufbauen soll. Wenn wir nach Hause kommen, steht es schon längst, dekoriert mit 20 roten Herzluftballons. Unter dem Kopfkissen die Eintrittskarte für das Rocco del Schlacko-Festival mit Casper im August.

Der ständig Liebende holt uns nach der Arbeit mit gepackter Tasche ab und düst mit uns eine Woche in die Toscana. Spontantrip. Mit dem Chef hinter unserem Rücken seit Wochen abgesprochen.

Der Hit.

„Du siehst toll aus. Du bist die Schönste“, sagt er, wenn wir im Sommerkleid freudestrahlend in seinen Corsa steigen. Sonnenbrille auf. Honeymoon an. Wir sehen toll aus. Wir sind die Schönste. Glauben wir immer noch, wenn wir müde und zerknittert zwölf Stunden später in Chianti am Chianti nippen. Weil er es uns spüren lässt.

Aber dann: So schnell wie er in unser Leben trat, das Ikea-Gestell aufgebaut und den Ausflug geplant hat, ist er auch schon wieder weg. Rosarote Brille aus. Honeymoon vorbei.

Wir liegen ohne Prinz im Prinzessinnenbett, die Luft aus den Herzluftballons ist raus. Und den passenden Soundtrack liefert Casper – statt live zu zweit auf dem Rocco del Schlacko durch die Wohnzimmer-Lautsprecher vom „Hinterland“-Album: „Alles endet, aber nie die Musik.“

Der Shit.

Haben wir wirklich geglaubt für den Rest unseres Lebens täglich eine komplette LKW-Ladung Liebe exklusiv frei Haus geliefert zu bekommen? Exclusiv gibt’s täglich 18.30 Uhr nur bei Frauke. Und zu einer Frauke wollte unser Liebesbote auch hin, sagte er im Gehen. Oder war es Sylvie? Oder Michelle? Wahrscheinlich zu allen dreien.

Denn: der ständig Liebende ist der ständig Reisende. Er muss weiter, immer weiter, hat so viel zu geben, da reichen wir alleine nicht aus. O-Ton: „Ich kann ja nichts dafür, dass ich mich so schnell verliebe. Mein Vater war auch schon so. Wir lieben halt einfach so schrecklich gerne.“

Er liebt nicht uns. Er liebt das Lieben. Und vor allem sich selbst. Er ist ein Narzist, der andere nur glücklich macht, weil es ihn glücklich macht. Weil er das Strahlen in unseren Augen sucht, das er bei sich nicht findet. Er gibt, um zu bekommen. Er liebt, um geliebt zu werden.

#bytheway: was man nicht alles von seinem Papa erben kann. Wir hätten uns ja für das Haus in der Toscana entschieden. Den Chianti trinken wir jetzt alleine in der Berliner Abendsonne. Und Schokolade gibt’s zum Frühstück. Wenigstens im 1a-wackelfrei-aufgebauten Bett. Und mit diesem Lied im Ohr:

„Weil ich so gerne fliege ohne Fallschirm,
fall und nichts bereu‘ (…).
Weil ich so gerne liebe…
Und ich könnt’s schon wieder tun,
ich könnt schon wieder…“

Der passende Soundtrack zu seinem Leben ist dann wohl ein Mia-Song.

Ich beiße ein Stück Zartbitter-Schokolade ab, drücke „Stop“ und drehe „Hinterland“ auf, während ich mich auf den Festivalsommer freue.

Ohne MIA.
Ohne ihn.
Mit Casper.

Für alle ständig Liebenden:

Für alle ständig Suchenden:

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