Die Liebe ist ein Fußballfeld

…und wir sind nur die Spieler

Anstoß, warmlaufen. Wie beim ersten Date tastet sich auch beim Fußballspiel jeder erst einmal langsam vor. Klar hat man sich Infos über den anderen eingeholt. Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen, wie ist er so drauf? Ist er der spanische Stürmer, kommt er schnell zur Sache. Zu schnell. Gelbe Karte, Platzverweis.

Der italienische Mittelfeldspieler hingegen bewegt sich ja überhaupt nicht von der Stelle. Mit ihm geht es weder nach vorne noch nach hinten. Und dabei verheddert er sich, taumelt, fällt, und gibt uns dafür die Schuld. Schauuuspieler! Ciao, bello.

Wir wechseln aus und spielen den Ball dem amerikanischen Verteidiger zu. Während der Stürmer noch tobt und der Mittelfeldspieler weint, nimmt er uns an der Hand und schüttelt  die Konkurrenten ganz easy ab. Als die anderen sich darum streiten, wer der Beste ist, knutschen wir schon längst unbemerkt hinter der Eckfahne.

Mist, denn daher bekommen wir nicht mit, dass der Spanier wie ein Torero aufs Spielfeld gerannt ist, geradewegs auf das Tor zu. Ein Schuss, ein Treffer. 1:0. Jetzt gefällt uns der stürmische Stürmer doch ganz gut.
Eifersuchtsdramen spielen sich ab. Der Italiener ist zwar nach Hause zu Mama geflogen, aber seitdem der spanische Torschütze wieder im Spiel ist, wollen auch wir mit ihm spielen.
Das ist dem Amerikaner natürlich nicht entgangen. Während der Torero und wir uns gegenseitig heiße Blicke zuwerfen, nimmt der Verteidiger seinen ganzen Mut zusammen. Aber, was macht er da? Er traut sich aus seinem hintersten Feldrand, rennt, Freistoß, 1:1.

Jetzt wissen wir gar nicht mehr, in welcher Mannschaft wir sein möchten. Wir wollten immer schon mal nach Amerika, aber in Spanien gibt es Oliven.
Ein lauter Pfiff reißt uns aus unseren Gedanken. Der Schiedsrichter. Ach, den gibt’s ja auch noch! Wir verstehen nicht, warum wir ihm bisher so wenig Beachtung geschenkt haben. Er hat alles im Blick, ist ein Mann, der nicht lange labert, sondern blitzschnell Entscheidungen treffen kann: Foul, 11 Meter, auf die Bank.
Während die anderen in knallroten Shirts zu blauen Hosen herumlaufen, trägt er klassisch schwarz. Der Mann hat Stil. Und während er entscheidet, ‚der Ami bekommt gelb‚, sehen wir rot: wir haben uns verliebt. Schmetterlinge im Bauch statt Schwalbe am Bein. Mit ihm wollen wir Trikottausch, und zwar sofort.
Halbzeit für die Spieler, Auszeit für uns. Auf der Trainerbank hecken wir den perfekten Spielverlauf aus. Es steht unentschieden. 1:1 für uns quasi, immer für uns, denken wir, denn in den nächsten 45 Minuten ist noch alles offen.
Der Ball ist rund und das Spiel gewinnen wir.

Anpfiff.
Abpfiff
.

Denn wir stehen im Abseits. Angeblich. Die Augen des Schiris sind nicht auf uns, sondern auf den Gegner gerichtet, denn die schießen gerade das Tor. Tolle Wurst. Zum geplanten Handspiel und obligatorischen Po-Tätschler kommt es nicht mehr.

Im Fußball wie in der Liebe – es kommt immer anders als man denkt. Und ein Moment ändert alles.
Wir stolpern erschöpft übers Feld und kurz vorm Ziel, endlich, in der letzten Minute, schießt dann der andere das entscheidende Tor. Die Fussballhymne steuert Alanis Morissette bei: „Its like meeting the man of my dreams and then meeting his beautiful wife“. Ironie, wa?
Oder uns wird überraschend der Ball zugeworfen, überfordert stoßen wir ihn schnell von uns weg, und landen zufällig einen Treffer. Alle feiern uns als Held, obwohl wir wissen, dass jemand anderem der Pokal gebührt.

2:1, 90 Minuten sind um. Für uns heißt das diesmal: Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Denn der süße Schiri aus Frankreich erklärt uns jetzt nochmal „Abseits“.
Und in der Nachspielzeit ist ja immer noch alles drin.

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