Den Himmel sahen wir nicht, wir waren ja da

„Kein Liebesgedicht erklärt uns, warum der Himmel so blau war, als wir uns trafen“, schrieb Jörg Fauser.

Unser gemeinsamer Himmel, unter dem wir uns trafen, war nicht blau. Er war schwarz. Es war finstere Nacht. Die Musik tönte laut, das Herz schlug noch lauter. In dem Club, in dem unter etwa hundert Menschen zwei eins wurden.

Plötzlich waren nur noch wir da, der DJ spielte nur für uns. Jeder Track war unser Lieblingssong. Diese Nacht war der Soundtrack unseres Lebens, er der Bass, der meine Füße immer schneller tanzen, mein Herz schneller schlagen ließ.

REPEAT. REPEAT. REPEAT. Dauerschleife. Tag und Nacht verschwammen, aber wir gingen niemals unter. Ließen uns treiben. Underwater Love.

Irgendwann war der Himmel dann doch blau. Als wir wieder aufgetaucht sind. Aus den Tiefen des Nachtlebens, aus der Tiefe dieses einen unvergessenen Abends.

Aber den sahen wir nicht. Wir sahen nur uns. Wir sahen immer nur uns, den Himmel nie.

Denn wir waren ja da.

Aber jetzt blicke ich auf und sehe, dass alles dunkel ist. Wie im Club. Aber ich bin alleine hier. Keine zwei Menschen, die im Takt des Beats eins werden. Keine Hand, die mich hält, wenn ich jetzt doch abtauchen würde. Alleine ertrinke ich.

Ich spüre keinen Bass. Die Musik ist leise, mein Herz schlägt noch leiser. Ohne ihn.

BU-BUMM, bu-bumm, buh! Ich erschrecke mich selbst.

★★★

„Kein Liebesgedicht erklärt uns, warum der Himmel so blau war, als wir uns trafen“, schrieb Jörg Fauser.
Und weiter: „Und warum er immer noch blau sein wird, wenn wir sterben werden, du für dich, ich für mich.“

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4 Kommentare

  1. Liebe Evelyn, ich verfolge deine Blog seit der ersten Stunde und jedes Wort was ich von dir lese, hätte aus meiner Feder stammen können. Du sprichst und schreibst mir aus meinem Herzen.
    Meine Leben ist seit knapp 6 Wochen eine reine Achterbahn. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt und dein Blog hilft mir, die Situation ein bisschen in die richtige Bahn zu lenken. Ich freu mich jedes Mal auf einen neuen Eintrag von dir. Danke dafür!
    Ich hab ein Leben mit Liebeskummer nicht beabsichtigt und mein Kopf weiß, dass ich dem auch nicht weiter hinterherjagen sollte, was ich für ihn nicht sein kann. Aber mein Herz fragt mich jeden Tag, ob Bleiben besser ist, als ihm Lebewohl zu sagen.
    Liebe Grüße
    Anja

  2. Traurig und wunderschön die Gedichtzeilen… aber Hey, Du hast Liebe erlebt! Auch wenns weh tut, das ist den Schmerz wert :-* denke ich … LG

  3. Schön, dass du auf meinem Blog gelandet bist, denn wer weiß, ob ich sonst deinen gefunden hätte. Ich kenne jetzt gerade mal diesen Eintrag hier und bin schon vollends begeistert.

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