Heimat

 

„Saarschleife“ von Jean Claude Castor/ 030mm photography

 
Reisen ist das eine. Zurückkommen das andere. Jeder Seemann braucht seinen Heimathafen.

Bei mir ist das das Saarland.

Glück spüre ich, wenn ich unterwegs bin. Aber nur, weil ich weiß, dass es einen Ort gibt, an den ich immer wieder zurückkehren kann. Hierher nämlich. Egal, wie alt ich werde. Egal, wie weit ich fort war. Hier ist immer alles, wie es war. Hier ist immer alles, wie es sein muss.

Stillstand.

Wenn auch nur für einen kleinen Moment. Eben so lange, wie der Besuch in der Heimat dauert.

Alles auf null. Gescheiterte Liebe, die ist hier weit weg. Und wenn man sich in seinem alten Kinderzimmer doch daran erinnert, wirkt alles nur noch wie ein böser Traum. Aus dem man endlich erwacht.

Und außerdem seid ihr ja alle da. Ihr, die Liebeskummer 1, 2, 3, 4 miterlebt habt. Freunde. Familie.

Nummer 4 lässt mich nicht los.

Männer, die gegangen sind: ein paar.

Freunde, die geblieben sind: definitiv mehr.

  

Das ist doch eigentlich Liebe. Das, was überdauert. Die Menschen, die bleiben. Ihr.

Wenn ich euch ins Gesicht blicke, bleibt mein Herz kurz stehen, denn meine Welt bleibt stehen. Ich weiß: Alles geht vorbei. Die Männer, der Kummer, der ganze Mist. Aber ihr, ihr seid immer da. Nummer 4 – denke ich gerade gar nicht dran.

Jetzt kann ich wieder los. Aufgetankt. Die Welt darf sich wieder weiterdrehen. Denn ich bin geerdet, bereit zum Abheben. Auf nach Berlin. Auf in die Welt.

Saarland, ich komme zurück. Immer. Versprochen. Aber jetzt muss ich weg. Nummer 4 – vergessen. Zeit, Nummer 5 zu suchen. Denn die habe ich hier nicht gefunden. In der Heimat.

 

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10 Kommentare

  1. Der Ansatz etwas bewusst vergessen zu wollen ist hoffentlich ein Griff in die lyrische Trickkiste.
    Gleicht der Geist doch mehr und mehr den Dingen, auf die wir ihn richten…
    ausgerechnet das unromantische Hollywoodorakel hat eine hoffnungsvolle Antwort für Dich : Nummer 5 lebt!
    Ist doch ein Anfang, wie alles ein Anfang ist. Reset. Nummer 1.

  2. Leider ist meine Heimatstadt halb Mexico geworden–abstoesslich fremd. Alte Freuden sind weggestorben oder fett und geistlich stark geaendert –nicht mehr Freunden. Haueser in den ich lebte als Kind sind verschwunden. Nur die Nature bleibt herrlich dasselbe.

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