Ich bin Single und will keine Dates. Ist das denn so schlimm?

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Zwei Bier am Strand: gerne. Aber bitte am echten Strand mit echtem Kerl. Danke

„Komm, gib‘ ihm doch eine Chance. Du kannst nicht jeden abwehren.“ Dann tanzte sie mit ihm. Er lachte. Und sie sah. Und zwar, dass er keine Zähne im Mund hatte.

Hello Real World. Die Single-Welt.

Diese Karnevals-Anekdote hat mir eine Freundin erzählt. Aber ich fühlte mich beim Zuhören, als sei ich die Zu-Verkuppelnde gewesen. Denn: zu oft schon erlebt. Bei Blind-Dates. Bei mir waren es nicht die Zähne, sondern das, was dazwischen durchkam: Bullshit. Seine Sätze, so zusammenhangslos wie die Kombi der Location (City-Strandbar mit Cocktails aus Plastikbechern) mit seinem Outfit (Lederhosen).

Ich will einfach keine Dates. Erst recht keine Blind-Dates. Heißen die so, weil man am Besten mit verbunden Augen dahin geht? Dann sieht man die Nicht-Zähne nicht. Jetzt durchschaue ich allmählich die Dating-Welt. Mit geschlossenen Augen.

Ist es schlimm, Single zu sein und niemanden kennenlernen zu wollen? Jedenfalls nicht forciert. Ich komme mir oft vor, als würde ich meiner Rolle als Single nicht gerecht werden. Als würde von mir erwartet, immer auf der Suche zu sein. Als würde ich den Pärchen vor den Kopf stoßen, da ich mich als Einzelperson vollkommen fühle. Verrückt.

Ich meine, wenn der Richtige vor mir steht, werde ich schon freundlich „Hello“ sagen. Wie Adele. Und er wird fragen: „Is it me you’re looking for?“ Wie Lionel Richie. Und ich werde antworten: „Jepp.“ Er wird mich mit mindestens 26 Zähnen anlächeln, keine Lederhosen tragen.

Und vielleicht sind wir an einem Strand. Einem echten. Hello Dreamworld.

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22 Kommentare

  1. Hey Evelyn, du fragst: „Ist es schlimm, Single zu sein und niemanden kennenlernen zu wollen? Jedenfalls nicht so forciert …“ Ja, für viele scheint das schlimm zu sein. Ganz einfach, weil sie allein nur als halber Mensch unterwegs sind. Zumindest fühlen sie sich so. Und sie können es sich gar nicht vorstellen, wie es ist, allein was zu unternehmen, den eigenen Bedürfnissen zu folgen oder diese überhaupt erst zu entdecken. Alles wird im „Wir-Modus“ geplant und entschieden. Das ist bei vielen Paaren so. Es gibt sie nur im Doppelback. „Hallo Anke, wie geht es dir? Bist du gesund?“ „Ja, uns geht es gut.“ „Wohin fährst du in den Urlaub?“ „Wir fahren nach Mallorca.“ „Und, habt ihr schon euren Zahnarzttermin gehabt?“ „Wieso wir?“ :)) Ganz gleich, ob man lange oder kurze Partnerschaften hatte, ich weiß inzwischen, wie wichtig es ist, mal so richtig ins Alleinsein zu gehen. Mit allem Schmerz der Einsamkeit. Jeder zugelassene Schmerz bringt eine neue Qualität zutage. Und etwas in mir füllt sich und wächst. Und wenn dann wieder einer kommt, der echt passen könnte, kann ich da locker und ungeschminkt dran gehen. Ganz im Sinne von Safi Nidiaye, die schreibt:

    „Schenk dem Geliebten nichts Geringeres als eurer wahres Wesen, euer wahres Gesicht. Die Liebe liebt Wahrheit. Nicht Leidsein.“

    Liebe Grüße

    Sina Kama

    • Danke für diese schönen Worte. Sie ergänzen das Phänomen sehr gut. Über die WIR-Fraktion en detail sollte ich auch mal wieder schreiben, danke für den Tipp. Die Definition seiner selbst durch einen anderen hat mich schon immer stutzig gemacht.

  2. Hahaha 😀 Die linke Zitrone will auch schon nicht mehr. Ich glaube, viele Menschen halten Singles für unvollständige, sehnsuchtsvolle Wesen, die Hilfe brauchen. Und manche Singles wundern sich selbst, wenn sie nach einer längeren Pause merken, dass sie gar nicht so sind. Dass Freiheit auch viel freie Zeit bedeutet, viel weniger Anpassung, und neue, selbstgepresste Erkenntnisse, ohne lemon tree.

  3. Trotzdem hört es sich für mich in vielen anderen Deiner Beiträge so an, als ob Du gern Jemanden an Deiner Seite hättest. Die meisten Singles die ich kenne, fühlen sich mit Anfang 30 bereit für eine Beziehung und wünschen sich auch eine. Aber natürlich steht Mr. Right nicht genau dann auf der Matte wenn man ihn braucht. Schön wäre es tatsächlich so, wenn es den meisten Singles so gehen würde, wie Du in Deinem Text schreibst, aber das bezweifle ich… (und ich schließe mich da mit ein, während meiner Zeit als Single)

    • Wenn er da ist, sage ich freundlich „hallo“. I am ready. Aber man kann es nicht erzwingen. Ich will Liebe, keine Beziehung. Wer nach einer Beziehung sucht, der hat es in der Tat einfacher.

      • Klar. Ich meinte auch Liebe. Für mich geht das einher. Aber sicherlich nicht für alle.

      • Klasse gesagt. Liebe braucht kein Beziehungsmodell. Ist recht experimentell. Da den passenden Mann für zu finden, ist nicht einfach. Vielleicht sollen wir mal im Baumarkt gucken :))) Sonst zimmern wir uns einen.

  4. Welch Zufall…letztens erst auch noch einen Artikel dazu geschrieben über das Mißverständnis „Single“. Exakt so ist es. Warum wird uns unterstellt, wir müssten suchen und wären unglücklich? Das Gegenteil ist der Fall.

  5. Ich bin beides gerne und man kann auch beides sein. Vorausgesetzt der Partner macht da mit. Es gibt halt Zeiten da genieße ich gerne die Ruhe für mich allein und dann gibt es auch wieder Momente wo ich jemanden um mich rum brauche. Und das Ganze dann mit 2 getrennten Wohnungen, das man seinen Rückzugspunkt hat. Funktioniert ganz gut.

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