Im Dezember sehen wir die Welt durch eine Milchglasscheibe

Eigentlich ist alles okay. Es ist nur diese eine Zeit im Jahr.

In der es schon um vier Uhr nachmittags dunkel wird. Und gefühlt nie mehr wieder hell. Denn Berlin versinkt im Nebel. Kein Horizont in Sicht.

Wie soll man einen klaren Gedanken fassen, während man im Trüben tappt? Wir sehen die Welt durch eine Milchglasscheibe. Also nichts. Und das, was wir erkennen, ist verschwommen.

Das, was geht. Tipp, tapp, verschwindet, wird immer kleiner, ist gleich außer Sichtweite. Das letzte Jahr im Schnelldurchlauf als Daumenkino.

Das, was kommt. Irgendwo vor uns, erkennen nur die Umrisse, so sehr wir auch die Augen zusammenpressen.

Alles zu weit weg. Vergangenheit und Zukunft.

Und wir sind irgendwo dazwischen. Zwischen November und Januar, zwischen 2016 und 2017. Dezember eben.

Das ist keine Krankheit, sondern einfach nur diese eine Zeit im Jahr, in der wir auf das zurückblicken, was wir erlebt haben, auf das hinausblicken, was uns im nächsten Jahr erwarten könnte.

Wir sind wie ein Kapitän auf unserem Boot, vergessen eins: 360-Grad-Rundumblick. Nicht nur vor und zurück. Delfine links, Insel rechts. Es gibt viel zu sehen. Im Hier und Jetzt. Sogar im Dezember. Wir müssen nur die Sicht ändern.

Also eigentlich ist alles okay.  

Ich zähle vorsichtshalber trotzdem die Tage. Noch fünfzehn. Und hebe den Deckel des Milchglases einen Spalt. Die Sicht wird etwas klarer, volle Fahrt voraus. Egal, wo wir stranden werden. Ahoi.

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