Wir sind all das, weil wir das eine nicht sein können

Wir klettern auf Bäume. Wenn wir oben sind, essen wir Äpfel. Oder Birnen. Was halt da ist. Oder mitgebrachte Gummischlangen. Wie früher.

Wir sind wie Kinder.

Wenn der eine was hat, was der andere nicht bekommen kann, streiten wir, sind eifersüchtig. Am liebsten würde ich dich an den Haaren ziehen, petzen, aber fünf Minuten später wieder vertragen. Denn am Ende gönne ich es dir natürlich. Alles Glück der Welt. Und du mir.

Wir sind wie Geschwister.

Wenn ich was habe, rufe ich dich an. Auch um fünf Uhr in der Früh. Du hast dich nicht darüber beschwert. Nur deine Freundin. Als sie dich rausgeworfen hat, habe ich dich reingelassen. Um fünf Uhr in der Früh. Ich habe mich nicht darüber beschwert. Nur deine Freundin.

Wir sind wie beste Freunde.

Dein Hund hört nicht auf dich. Aber auf mich. Also komme ich mit euch in den Park, sage „Sitz“ und Carl macht Sitz und du sagst „brav“ und „fein“ und freust dich über deine Erziehungserfolge. Und ich freue mich, dass du dich freust. Fein.

Dann sind wir wie Mama und Papa. Du, ich und Carl, der Hund.

Du lachst. Ich höre dich. Ich sehe dich. Ich fühle. Dich.

Wie Kinder. Wie Geschwister. Wie beste Freunde. Wie Eltern.

Eben nur WIE.

Wir sind all das, weil wir das eine nicht sein können.

Das, was wir eigentlich sind. WIR statt WIE. Ein Paar.

Das weißt du, das weiß ich. Du sagst nichts. Ich sage nichts.

Du lachst immer noch. Ich auch. Und wir gehen mit Carl nach Hause. Ich zu mir. Du zu ihr.

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9 Kommentare

      • Nur meine Geschichte endet damit, dass die Freundschaft die ungleiche Gefühlslage nicht überlebt hat. Das Gefühl Freunde zu sein, wie Geschwister zu sein, war eine Illusion.

      • Ja, wir sind wie Kinder. Ja, wir sind wie Geschwister. Ja, wir sind wie beste Freunde. Wir sind all das, weil sie das Eine nicht sein will. Und wir sind KollegInnen. Sie lacht nicht mehr. Ich auch. Und wir gehen nach der Arbeit nach Hause. Ich zu mir. Sie zu ihm. | Wie lange funktioniert eine platonische Liebe zwischen Mann und Frau? | Dritter: „Wie lange sind sie (Sie & Er) beide schon beste Freunde? – 15 Jahre? – Rein statistisch gibt es sehr wenige platonische Beziehungen. Weil die Männer generell sich sexuell angezogen fühlen. Weit mehr als man dachte.“ – Er: „Ich wollte das nicht. Ich wollte nur, dass du ihn (ihren Ehemann) etwas weniger liebst, irgendwann. – Und mich etwas mehr. Hast du das wirklich nie gemerkt? – Natürlich hast du. Bist ja nicht blind. – Aber, – ist je etwas zurückgekommen? – Nicht mal jetzt.“ | »Hört denn der Liebende auf zu lieben, wenn man ihm befiehlt: hör auf, es ist vergeblich? Die Liebe liebt bis das Herz zerspringt, bis das Universum explodiert.« Zersprungen. Explodiert. | Die Antwort auf deine Frage lautet: „Gar nichts.“, sagt der Verstand. „Gibt es nichts dazwischen, was funktioniert?“, fragt das Herz. | Liebe Grüße, Bernd

  1. Deine Texte sind immer so knapp und dabei doch gerade lange und kurz genug zu gleich um einen irgendwie zu berühren und zu fesseln. Erfrischend. Ich beneide dich um diese Schreibstil. Will dich jetzt aber nicht unbedingt an den Haaren ziehen 😉

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