Wir sind all das, weil wir das eine nicht sein können

Wir klettern auf Bäume. Wenn wir oben sind, essen wir Äpfel. Oder Birnen. Was halt da ist. Oder mitgebrachte Gummischlangen. Wie früher.

Wir sind wie Kinder.

Wenn der eine was hat, was der andere nicht bekommen kann, streiten wir, sind eifersüchtig. Am liebsten würde ich dich an den Haaren ziehen, petzen, aber fünf Minuten später wieder vertragen. Denn am Ende gönne ich es dir natürlich. Alles Glück der Welt. Und du mir.

Wir sind wie Geschwister.

Wenn ich was habe, rufe ich dich an. Auch um fünf Uhr in der Früh. Du hast dich nicht darüber beschwert. Nur deine Freundin. Als sie dich rausgeworfen hat, habe ich dich reingelassen. Um fünf Uhr in der Früh. Ich habe mich nicht darüber beschwert. Nur deine Freundin.

Wir sind wie beste Freunde.

Dein Hund hört nicht auf dich. Aber auf mich. Also komme ich mit euch in den Park, sage „Sitz“ und Carl macht Sitz und du sagst „brav“ und „fein“ und freust dich über deine Erziehungserfolge. Und ich freue mich, dass du dich freust. Fein.

Dann sind wir wie Mama und Papa. Du, ich und Carl, der Hund.

Du lachst. Ich höre dich. Ich sehe dich. Ich fühle. Dich.

Wie Kinder. Wie Geschwister. Wie beste Freunde. Wie Eltern.

Eben nur WIE.

Wir sind all das, weil wir das eine nicht sein können.

Das, was wir eigentlich sind. WIR statt WIE. Ein Paar.

Das weißt du, das weiß ich. Du sagst nichts. Ich sage nichts.

Du lachst immer noch. Ich auch. Und wir gehen mit Carl nach Hause. Ich zu mir. Du zu ihr.

#Loslassen

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Wenn jemand geboren wird, empfangen wir ihn mit offenen Armen.
Wenn jemand stirbt, stehen wir mit verschränkten Armen vor dem Grab, hüllen unseren Schmerz in schwarz, um ihn mit der Masse der Trauernden zu verschmelzen.

Bis hierhin verlief das Leben so schnell. Jetzt kommen wir nur noch langsam voran.

Wir können versuchen noch so schnell zu laufen – von hier an Schneckentempo.
Nur wenn wir es schaffen für einen kurzen Moment den Blick zu heben und um uns zu schauen, sehen wir, dass die Welt sich weiterdreht.

Wenn wir zurückschauen, werden wir immer Dich sehen.
Daran ändert sich nicht.

Als du gegangen bist, ging ein Stück in mir verloren. Aber ich bin noch da. Ein neues Jahr ist vorüber. Zeit loszulassen.
Amor vincit omnia.

Sie

Sie steht auf.
Sie steht auf und geht ins Bad. Weil sie muss.

Sie geht ins Bad und putzt sich die Zähne.
Sie zieht sich an und geht zur U-Bahn.

Sie schaut nicht links, sie schaut nicht rechts, geht gerade aus.
Sie schaut nach unten.
Gesenkter Kopf.

Sie schaut nach unten, während neben ihr Max, der Hund ohne Herr, seine Runden dreht.
Wie jeden Morgen.
Während Max seine Runden dreht, läuft der Herr dem Hund hinterher.
Schimpft.
Wie jeden Morgen.

Sie steigt in die Bahn, dann in den Bus,
dann geht sie ins Büro und aus dem Büro wieder raus.

Es ist dunkel.
Aber das sieht sie nicht.
Gesenkter Kopf.

Sie steigt in den Bus, dann in die Bahn,
dann geht sie in ihre Wohnung und bleibt in ihrer Wohnung.

Es ist Abend.
Jetzt ist es Nacht.
Sie geht schlafen. Und dann kommt auch schon der Morgen.

Da ist der Morgen.
Und sie steht auf.
Weil sie muss.

Wolkenbruch

Du hast mein Leben verändert.

Wolkenbruch.
Regen.
Du hattest einen Schirm.

Und dann kam auch schon die Sonne.
Wo Schatten war, wurde es hell.
Wenn ich geweint habe, hast Du mich zum Lachen gebracht.
Wenn ich mich klein gefühlt habe, hast Du mich groß gemacht.

Es war leise. Dann kam der Blitz.
Und dann wurde es laut, denn es kam der Knall.
PENG.
Und Du warst da.
Du warst da, und mit Dir die Musik.

Und ich singe das Lied immer noch.
You came, changed the way I feel.
Schnulze.
Hit.

 

Shit.

 

Wolkenbruch.
Regen.
Ich hab keinen Schirm.

Hier ist kein Schatten. Es ist dunkel.
Ich weine nicht, ich heule.
Ich bin nicht klein, ich bin gar nicht mehr da. Denn Du hast mich mitgenommen.

Als Du gegagnen bist.

Ja, Du hast wirklich mein Leben verändert.
You came, changed the way I feel.
My life won’t be the same.

 

Meine kleinen Hände

Ich scheitere.
Ich scheitere als Single in einer Pärchen-Welt.
In einer Welt, die so konstruiert ist, dass man selbst die banalsten Dinge nicht alleine hinbekommt.
Für alles braucht man einen Partner.

Ich sitze auf dem Holzfußboden meiner 40 qm-Wohnung in Berlin.
Mit meinen zwei kleinen Händen versuche ich einen 2,60 m großen Schrank aufzubauen.

50 Schrauben, 15 Bretter, 1 Bohrer.
Und ein Zehn-Finger-System, das versagt.
Zehn Finger reichen nicht aus, um meine 40 qm-Welt in die Angeln zu heben.

Ich kapituliere.

Zehn Finger. Zehn Finger sind nichts. Nichts, wenn nicht an einem ein Ring funkelt. Der sagt, dass wir zusammengehören.

Beim letzten Mal waren wir zu zweit, als wir Vorgänger Pax Hasvik (205 Euro) aufgebaut haben.
Und jetzt baust du Pax Bergsfjord (617 Euro) mit ihr auf.
Ein Upgrade.
In eurer gemeinsamen Wohnung.
Zwei Upgrades.

Und ich sitze hier in einem Berg von Brettern, lasse die Schrauben fallen, und fange an zu heulen.
In meine kleinen Hände.
Ohne Ring.

Die Welt von Ikea ist gemacht für Pärchen.

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Fotos: Ikea, Montageanleitung

Zwischenwelten

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Gestern gemeinsam Champagner. Unter uns das feuchte Gras, über uns der endlose Sternenhimmel. Wir irgendwo dazwischen. Und doch nirgendwo. In einer Zwischenwelt verhaftet, fernab von dieser Welt.
Deine Hände, die mich festhalten.

Heute alleine Rotwein.
Hinter mir die letzte Nacht, vor mir die endlose Leere. Ich irgendwo dazwischen. Im Nirgendwo. In einer Zwischenwelt verhaftet, die mich verschlingt.
Keine Hand, die mich herauszieht.

Gestern waren wir.
Heute bin ich.

Was passiert zwischen gestern und heute? Wird das WIR und HIER von der dunklen Nacht verschluckt? Lebt es weiter in dieser Zwischenwelt?

Oder habe ich alles nur geträumt?

Gestern rosarot.
Heute blauschwarz.

Gestern alles.
Heute nichts.

Gestern wir.
Heute ich.

Morgen
Ich.
Ic
I
.

#unvollständig

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Ich liebe es, morgens neben Dir aufzuwachen. Du schaust mich an und und sagst, du würdest so gerne den ganzen Tag mit mir verbringen.

Ich liebe es, Dir zuzuschauen, wie Du mit der Kaffeemaschine kämpfst, um mir meinen Traum von Milchschaum wahrzumachen. Du sagst, Du willst mich glücklich sehen.

Ich liebe es, mit Dir Zeitung zu lesen und dabei Ben Howard zu hören. Du sagst, es müsse überall Musik sein. Denn, wenn alles scheisse ist, gäbe es ja immer noch die Musik.

„Und uns“, denke ich.
Ich schau‘ Dir nach, als Du das letzte Stück Käsebrot liegen lässt, das ich Dir geschmiert habe, und auf mein Fahrrad steigst.

„ich.LIEBE.Dich.“
Du sagst: „Ichdichauch“,
und fährst zu ihr.

Wann hört es auf?

Hier schreibt die Ich-Erzählerin Charla Bukowska die blauschwarzen Zeilen.

Kennt Ihr das, wenn Ihr nicht einschlafen könnt, weil der Regen leise, aber unaufhörlich an Euer Fenster prasselt?
Kennt Ihr das, wenn Ihr morgens aufwacht, und es prasselt immer noch? So dass ihr Euch am liebsten den ganzen Tag unter der Bettdecke verkriechen wollt.
So geht es mir. Seit sieben Monaten, drei Wochen und vier Tagen leg ich mich mit der Frage schlafen: wann hört es endlich auf? Und jeden morgen wache ich wieder mit ihr auf.
Heute auch.

Weißt Du, dass jedes Mal, wenn ich einkaufen gehe, am Kaisers-Brotregal innehalte und lächle, weil Du mir da gesagt hattest, dass Du in mich verliebt bist?
Weißt Du, dass, wenn ich samstags meine Wohnung geputzt habe, anschließend koche nonstop unser Lied vor mir hersumme, weil ich das Gefühl habe, dass du gleich wie damals zum Essen kommst?
Weißt Du, dass ich gerade tausend Tode gestorben bin, als wir uns flüchtig gegrüßt haben und ich Dir hinterher gerufen habe, dass alles ok ist? Denn nichts ist ok. Ich lache dir ins Gesicht und die Fassade bröckelt.

Je mehr ich vorgebe glücklich zu sein, desto weiter öffnet sich der Spalt in meinem Herzen, in den ich drohe hineinzufallen. Mein Herz ist mein eigenes Grab.

Ich fahre auf meinem gebrauchten Skatebord, abgenutzt durch Kick Flips, die ich nicht gestanden habe, durch die Straßen zu Dir, den ich nie erreichen werde.
Ich fahre weiter, immer weiter, um der Frage, die mich verfolgt, zu entkommen. Verliere mich, verpasse die Ausfahrt zu unserem Happy End. Too far to go back, too close to give up.

Wann hört es endlich auf?

Man stellt keine Frage, die nicht beantwortet werden kann.
Aber was. Was, wenn es keine Antwort gibt? Vergraben wir die Frage mit uns tief unter der Bettdecke, ersticken sie bis sie schließlich verstummt?

Manche Fragen bleiben unbeantwortet. So wie diese.

Und der Regen prasselt immer noch.

 

Keine Antwort, ein Kommentar liefert Charles Bukowski:

„Find what you love and let it kill you.“