Ich bin eine Schlampe 

In welcher Zeit leben wir denn?

Du willst nicht, dass ich mich wie eine Schlampe fühle, indem du mich wie eine fühlen lässt. Clever.

Ich verstehe gar nichts mehr, aber das macht nichts, denn du verstehst noch weniger.

Das war so: Bar, jemanden kennengelernt, zwanzig Minuten gequatscht, kein Flirten, kein Versuch, mich zu küssen.

Aber dann: Er fragt, ob ich jetzt mit zu ihm nach Hause komme, die Nacht mit ihm verbringe. Er habe sogar aufgeräumt, das Bett frisch bezogen. Aha.

Zwanzig Minuten. Zu knapp für ihn, um zu fragen, ob ich was trinken will. Aber ausreichend Zeit für mich, um vor Sehnsucht nach ihm zu sterben?

Meine Antwort überrascht ihn. Nein. „Ah. O.k.“ Er hätte mich aber auch nicht für „so eine“ gehalten, wenn ich doch mitgegangen wäre. Das wolle er mir noch sagen, bevor er jetzt geht. Sich einen Wodka-Mate holen. Denn er hat jetzt Durst. Ach was. Beim Wodka wäre ich doch dabei gewesen. Nur beim Sex eben nicht.

Kannst du das nicht verstehen?

Nein, ich hatte keine Angst, dass du oder sonst wer denken könnte, ich sei eine Schlampe, wenn ich mit dir nach Hause gehe.

Ich wollte einfach nicht mit dir nach Hause. Weil ich einfach nicht wollte. Weil ich einfach dich nicht wollte. Weil ich einfach keinen Sex mit dir wollte. Weil du dir einfach keine Mühe gegeben hast. Weil du einfach total uninteressant für mich bist. Weil ich einfach nicht auf dich stehe. 

Weil man auch einfach mal einen Wodka ohne Mate trinken kann. Und mit jemandem die Nacht verbringen kann, ohne mit ihm die Nacht zu verbringen.

So einfach ist das. Wodka ja, Sex nein. Dann hätten wir das ja jetzt geklärt.

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Ich brauche doch keinen Handwerker

 

Meine neue Errungenschaft: ein Entlüfter für die Heizung

 

Meine Freundin Cathrin ist in ihr neues Haus gezogen. Ein Paradies: Handwerker gehen ein und aus. Endlich Antworten auf alle Fragen.

Ist der Kronleuchter mit dem Glitzerkram zu schwer für die Decke? Ist es schlimm, wenn Kabel über dem Waschbecken rausschauen? Wie geht das mit dem Heizungentlüften?

Jetzt weiß ich: es gibt ein Spezial-Gerät zum Entlüften. Da braucht man keinen Mann. Es kostet 4 Euro und man muss kein Glas für das rausfließende Wasser drunterhalten. Alles dabei!

Selbstbewusst gehe ich in den Baumarkt. Der ist für mich wie Disneyland. Abenteuer. Heile Welt. Baumarkt bedeutet: es gibt kein Problem, das nicht gelöst werden kann. Halten die Schrauben nicht, weil die Wand hohl ist; nimm Hohlraumdübel! Easy.

Ich bin auch so ‘ne lose Schraube. Für meinen Halt gibt es im Baumarkt allerdings keine Dübel.

„Dir kann ich sicher helfen“, meint ein Mitarbeiter zu wissen. Ich schau‘ ihn an. Acht Jahre jünger, fünf Kilo weniger. Drei helle Härchen an seiner Wange verraten, dass er versucht, sich einen Bart wachsen zu lassen. Vielleicht, damit er irgendwann aussieht wie ein anpackender Handwerker. Rührend.

Ob er mir helfen kann? Hm. Nicht so easy. „Ich brauche Halt“, sage ich. Test. DAS wäre seine klitzekleine Chance. Und was sagt er? „Wofür?“ Noch ein kleiner Finger, hab‘ ja zwei: „Mich.“

„Ja klar“, sagt er, „aber wo ist das Problem?“. Ach, ich wollte doch nur nett sein und ihm ein kleines Flirterlebnis bieten (oder mir?). Da zeigt er auch schon Richtung Eingang: „Da ist unser Service-Schalter.“ Wäre der Typ nicht so schwer von Kapee, wäre das eine sehr lustige Antwort gewesen.

Ich packe Dübel und Entlüfter-Teil ein, stiefle zu den großen Geräten; ich brauche noch einen Bolzenschneider. Ich muss mein Fahrradschloss knacken. Den kleinen Mann lasse ich stehen. 

Nee, der kann mir echt nicht helfen. Ich will doch keinen Handwerker mehr, bin lieber mein eigener Bauherr.

Als ich mir mit Sex die Chance auf die Liebe versaute – mit Uno Junior

Die einen werden erwachsen und heiraten. Die anderen spielen auf der Hochzeit Kartenlegen. Mit „Uno junior“. Ein Tier-Kartenspiel mit Zahlen und Farben für Kinder.

Keine Ahnung, wie man es wirklich spielt. Wir spielen es so:
Zebra-Karte: „Es gibt im Leben nur Schwarz oder Weiß. Egal wie man sich entscheidet, man verliert immer das eine. Es gibt nie das Absolute. Mach halt einfach!“, spricht das Tier-Orakel aus mir. Das Leben ist ein Kinderspiel. Bis jetzt. Es geht FSK 18 weiter.

„Wann habe ich das nächste Mal Sex?“ Zu viel Liebe liegt in der Luft, neben mir sitzt ein hübscher Kerl, die Frage plumpst einfach raus, und ich ziehe den Joker: alle Farben! Mir stehen laut Expertenrunde alle Türen offen. Applaus und Gebrüll von Panther, Tiger und Co..

„Werde ich dieses Jahr meine Traumfrau treffen?“, fragt der hübsche „Uno“-Kollege. Stille. Alle Tiger k.o.. Er zieht ein Nilpferd mit der Ziffer 9. Expertenrunde: Im September trifft er sie.

Ich bin das Nilpferd! Denn ich habe das „Uno junior“-Orakel belogen. Seine Frage wäre meine gewesen. Glück verspielt?

Ich habe mich aufgeplustert wie es in der Tierwelt so üblich ist. Balztanz. Imponiergehabe. Statt zu gefallen, bin ich jetzt umgefallen: Bauchklatscher. Ich bin eben doch nur das ungeschickte Flusspferd. Nach dem Baden geht’s mit warmen Socken statt dem Nächstbesten ins Bett.

Ich höre das Zebra in mir, setze alles – statt auf eine Karte – auf ein Kartenspiel: Die „Uno deluxe“-Version! Im September ist keine Hochzeit, dafür der Geburtstag des „Uno“-Kollegen. Und ich habe das perfekte Geschenk.

Glück verspielt? Meine Orakel-Karte war ja bunt. Alle Farben. Alles möglich.

Und dann stelle ich die richtige Frage. Dem Orakel und dem „Uno“-Kollegen.