Wir sind die Second Housewives

Papas haben immer recht. Mit Anfang 30 kann man das zugeben.

In diesem speziellen Fall hat der Papa meiner Freundin recht.

Sie zweifelt. Hofft. Taumelt. Fällt und rafft sich wieder auf. So wie es uns Anfang 30 geht. Den Singles. Denen, die übrig geblieben sind. Leftovers.

Wir scheinen Männer anzuschreien: „NIMM MICH!“, „ICH BIN EINSAM!“, „AUSSERDEM MÜSSEN WIR SOFORT KINDER BEKOMMEN“. Denn lange wird das nicht mehr funktionieren. Ticktack. „DAS WIRD DIE ENTSCHEIDUNG EURES LEBENS!“. Also entscheiden sich die Männer. Gehen. Zu den jüngeren Frauen mit geringeren Ansprüchen.

Wir Leftovers sitzen im Teufelsrad. So geht es weiter und weiter, bis uns schlecht wird und wir aus dem Karussell herausfallen. Bald sind fünf Jahre vergangen, die Ehen, die alle mit Ende 20 geschlossen haben, wurden aufgelöst. Glück für uns: Wir werden aufgefangen – von den Ex-Männern der ersten Hochzeitsrunde.

Zweites Leben. Zweite Chance.

Wir waren immer schon die mit den Startschwierigkeiten. Im Schulsport als Letzte gewählt, erst auf der Uni gute Noten gehabt. Das ist das, was der Papa meiner Freundin gesagt hat. Lasst die Kerle mal üben. Beim zweiten Mal klappt’s ja immer besser.

Wir sind die Second Housewives. Wir spielen erst in der zweiten Hochzeitsrunde mit. Dann die Hauptrolle. Also wieder rein ins Karrussel.

Glauben wir’s. Papas haben ja immer recht. 

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Was nützt die Liebe in Gedanken?

„Sorry, dass es schon wieder nicht klappt. Nächstes Mal.“

Das hat er geschrieben. Was dahintersteckt: „Er gibt nicht auf, mich sehen zu wollen, obwohl er so viel um die Ohren hat.“

Da sind wir Frauen uns sicher, denn wir sind Meister im Interpretieren. Frauen sind die besseren Männer, weil wir sie verstehen.

Auf die Frage, wie die Party ist, auf die er uns nicht mitgenommen hat, antwortet er knapp: „Ganz okay hier.“ Unsere Interpretation: „So richtig cool wäre sie erst, wenn du hier wärst.“ Zur nächsten Party nimmt er uns also gewiss mit.

Wenn ein Mann sagt: „Ich bin nicht bereit für eine neue Beziehung“, gehen bei uns die Alarmglocken an. Denn es heißt aus unserer Sicht ganz klar: „Streng dich an, Babe, DU kannst die Auserwählte sein, die mich von meinem Liebeskummer befreit.“ Das bestätigen uns auch zwei Freundinnen. Die Einschätzung der dritten ignorieren wir, denn sie war anderer Meinung.

WAS NÜTZT DIE LIEBE IN GEDANKEN?

Selbst wenn er schreibt: „Bis dann“ und damit meint „hoffentlich sehen wir uns bald wieder“, hat er es nicht so geschrieben. Und dafür gibt es einen Grund. Bitte nicht wieder analysieren und interpretieren. Wir können nur mit dem handeln, was er bereit ist zu geben. Wenn es nur zwei Worte sind, entsteht daraus kein Liebesroman. Selbst wenn wir noch so viel Handlung drum herumstricken.

Himbeeren. Wir könnten damit ’ne Eis-Torte machen, wissen aber nicht, wie man backt. Dreißig weitere Zutaten fehlen. Also essen wir sie doch so. Die Himbeeren.

Die Realität ist bitter. So lange es Himbeeren gibt, ist sie bloß bittersüß.

Ich vergleiche jeden Neuen mit dem Alten

Ich zähle die „ähms“ am Anfang deiner Sätze. Ich bewerte die Auswahl deiner Socken (Spongebob), ich beobachte deine Mundwinkel, die sich beim Lachen nach oben ziehen.

Dabei fällt mir nicht auf, dass du eigentlich ein nettes Lächeln hast.

Als meine Freundin mich nach unserem Date über dich ausfragt, kann ich ihr keine Antworten geben. Fragen, die ich mir nicht gestellt habe. Die ich dir nicht gestellt habe. Die jetzt Jana mir stellt.

Ich war einfach mit etwas anderem beschäftigt. Auch wie du riechst, das weiß ich jetzt gar nicht. Ob du meinen Burger bezahlt hast, auch nicht. Aber ich weiß noch, was auf dem Burger war. Avocado und Camembert. Den mochte ER immer so gerne, und irgendwann ich. Er, mit dem ich dich die ganze Zeit verglichen habe. Er, der sicher nie Spongebob-Socken getragen hätte (kindisch), er, der immer wusste, wovon er sprach und nie seine Sätze mit „ähm“ begonnen hat.

An all das musste ich denken, als ich DICH sah, ohne dich zu sehen.

Und jetzt, wo Jana mich so viel fragt, da denke ich, das mit dir wäre doch ein „janz jeiles“ Date gewesen. Hätte ich dir nur mal eine Chance gegeben. Hätte ich dir nur mal zugehört. Hätte ich dich nur mal angeschaut.

Dann wüsste ich jetzt, dass deine kleine Schwester dir die Spongebob-Socken geschenkt hat. Gespart für den großen Bruder. Süß. Dann hätte ich mitbekommen, dass deine Mundwinkel nach oben gingen, als du über Witze von mir gelacht hast. Ach echt, ich hatte Spaß? Du fandest mich gut?

Tja, habe ich einfach nicht mitbekommen.

Ich vergleiche jeden Neuen mit dem Alten. Solange ich ihn sehe, sind alle anderen unsichtbar.

Wir sind all das, weil wir das eine nicht sein können

Wir klettern auf Bäume. Wenn wir oben sind, essen wir Äpfel. Oder Birnen. Was halt da ist. Oder mitgebrachte Gummischlangen. Wie früher.

Wir sind wie Kinder.

Wenn der eine was hat, was der andere nicht bekommen kann, streiten wir, sind eifersüchtig. Am liebsten würde ich dich an den Haaren ziehen, petzen, aber fünf Minuten später wieder vertragen. Denn am Ende gönne ich es dir natürlich. Alles Glück der Welt. Und du mir.

Wir sind wie Geschwister.

Wenn ich was habe, rufe ich dich an. Auch um fünf Uhr in der Früh. Du hast dich nicht darüber beschwert. Nur deine Freundin. Als sie dich rausgeworfen hat, habe ich dich reingelassen. Um fünf Uhr in der Früh. Ich habe mich nicht darüber beschwert. Nur deine Freundin.

Wir sind wie beste Freunde.

Dein Hund hört nicht auf dich. Aber auf mich. Also komme ich mit euch in den Park, sage „Sitz“ und Carl macht Sitz und du sagst „brav“ und „fein“ und freust dich über deine Erziehungserfolge. Und ich freue mich, dass du dich freust. Fein.

Dann sind wir wie Mama und Papa. Du, ich und Carl, der Hund.

Du lachst. Ich höre dich. Ich sehe dich. Ich fühle. Dich.

Wie Kinder. Wie Geschwister. Wie beste Freunde. Wie Eltern.

Eben nur WIE.

Wir sind all das, weil wir das eine nicht sein können.

Das, was wir eigentlich sind. WIR statt WIE. Ein Paar.

Das weißt du, das weiß ich. Du sagst nichts. Ich sage nichts.

Du lachst immer noch. Ich auch. Und wir gehen mit Carl nach Hause. Ich zu mir. Du zu ihr.

Ich bin eine Schlampe 

In welcher Zeit leben wir denn?

Du willst nicht, dass ich mich wie eine Schlampe fühle, indem du mich wie eine fühlen lässt. Clever.

Ich verstehe gar nichts mehr, aber das macht nichts, denn du verstehst noch weniger.

Das war so: Bar, jemanden kennengelernt, zwanzig Minuten gequatscht, kein Flirten, kein Versuch, mich zu küssen.

Aber dann: Er fragt, ob ich jetzt mit zu ihm nach Hause komme, die Nacht mit ihm verbringe. Er habe sogar aufgeräumt, das Bett frisch bezogen. Aha.

Zwanzig Minuten. Zu knapp für ihn, um zu fragen, ob ich was trinken will. Aber ausreichend Zeit für mich, um vor Sehnsucht nach ihm zu sterben?

Meine Antwort überrascht ihn. Nein. „Ah. O.k.“ Er hätte mich aber auch nicht für „so eine“ gehalten, wenn ich doch mitgegangen wäre. Das wolle er mir noch sagen, bevor er jetzt geht. Sich einen Wodka-Mate holen. Denn er hat jetzt Durst. Ach was. Beim Wodka wäre ich doch dabei gewesen. Nur beim Sex eben nicht.

Kannst du das nicht verstehen?

Nein, ich hatte keine Angst, dass du oder sonst wer denken könnte, ich sei eine Schlampe, wenn ich mit dir nach Hause gehe.

Ich wollte einfach nicht mit dir nach Hause. Weil ich einfach nicht wollte. Weil ich einfach dich nicht wollte. Weil ich einfach keinen Sex mit dir wollte. Weil du dir einfach keine Mühe gegeben hast. Weil du einfach total uninteressant für mich bist. Weil ich einfach nicht auf dich stehe. 

Weil man auch einfach mal einen Wodka ohne Mate trinken kann. Und mit jemandem die Nacht verbringen kann, ohne mit ihm die Nacht zu verbringen.

So einfach ist das. Wodka ja, Sex nein. Dann hätten wir das ja jetzt geklärt.

Nein, Mann, ich bin nicht gerne Single. Deshalb:

 

 

JA, Mann, das ist voll cool. Als Single kannst du dein Leben voll genießen. Party bis morgens um 11 Uhr.

JA, Mann, mache ich ja genau so.

In Berlin. In Los Angeles. Ich flirte, habe Spaß, lande nachts in irgendeinem Pool, plane den nächsten Tag, um am Morgen alles umzuschmeißen, wenn ich barfuß im Hellen nach Hause gehe. Ganz so, wie ich es gerade will. Herrlich. Aber eigentlich ganz so, wie mein Leben als Nicht-Single auch war.

Doch eine Sache ist anders. Die Männer. Manche sehe ich jetzt anders. Die, die glauben, dass ich doch UNBEDINGT jetzt einen Mann brauche. Nämlich SIE! Weil ich ja diese tieftraurige Single-Kolumne schreibe, die längste Kontaktanzeige Berlins.

NEIN, Mann, Singles müssen nicht froh sein, IRGENDWEN abzubekommen.

NEIN, Mann, Singles fühlen sich nicht erst zu zweit komplett. Ich muss auch nicht jeden wollen und bin deswegen nicht gleich arrogant. 

… Also zumindest deswegen. Ich bin das: romantisch. Der eine Mann oder kein Mann.

BREAKING NEWS: Man fällt nicht um, wenn man alleine ist. Ich habe zwei Beine und tanze. Kein Drahtseilakt. Ich habe zwei Hände und würde euch winken. Geht nicht: trinken. Links Gin, rechts Tonic.

Noch was: Diese Zeilen sind keine Single-Kolumne. Es geht um die Liebe. Nicht um Männer. Aber, liebe Leser, seid nett zu den Boys, sollte doch mal einer hier auftauchen. Es geht ohne Männer. Aber mit manchen ist es manchmal auch ganz okay.

Valentinstag gehört nicht nur den Pärchen – Liebe ist für alle da!

Feiert, denn heute ist Valentinstag!

Du und Du und Du! Ja, auch Du.

Wie, Du bist nicht vergeben, hast also keinen, der Dir etwas schenkt? Du hast doch Dich. Schenk‘ Dir selbst was. Mehr Schoko-Herzen für Dich allein.

Valentinstag ist doch der Tag der Liebe. Und die ist überall. Und für jeden da. Ihr müsst nur genau hinsehen. Wer sie nur in einem Partner sucht, wird sie wohl niemals finden, die Liebe.

Und das wäre doch schade.

Ich habe Elena-Katharina Sohn getroffen. Als ihr Liebster gegangen ist, ist die Liebe gekommen. Kein neuer Mann. Nein, sie hat die Liebe in einem neuen Job gefunden, und die Liebeskummeragentur „Die Liebeskümmerer“ gegründet.

Ich finde, wir machen unser Glück viel zu sehr abhängig von anderen Menschen. Dabei können wir uns doch so herrlich selbst genügen. Wir haben zwei Beine und zwei Augen. Zwei Ohren und eine Nase.

Also gehen wir los und schauen und hören uns die Welt an. Und sehen den Bruder, den wir eh viel öfter in der Schweiz besuchen wollten. Die Freundin, die uns schon so oft in die USA eingeladen hat. Und unterschätzt neue Gerüche und Geräusche nicht! Sie können so glücklich machen. Also Ohren auch auf, und durchatmen.

An alle Singles: Esst heute bester Laune alle Schoko-Herzen allein auf! Und ihr Pärchen müsst eben teilen.

Heute ist kein Tag der Pärchen, sondern ein Tag der Liebe. Also liebt. Am besten euch selbst.

Der Valentinstag gehört uns allen.

Vergesst nicht: Silvester als Single ist so richtig scheisse

Jetzt geht das wieder los. Wir werden alle so melancholisch, weil wir 30, Single und so allein sind.

Gerade jetzt. Zwischen Weihnachten und Neujahr. Warum das so ist? Na, weil das uns doch jeder einbläut. Auf Facebook. Jeder zweite Artikel, der gepostet wird: „Wie wir die Feiertage als Single überstehen“. Dann gibt es noch die Anti-Haltung. Die Leute, die schreiben: „10 Gründe, warum es total cool ist, gerade jetzt Single zu sein“. Und alle sagen damit dasselbe: Fühlt euch schlecht, ihr bemitleidenswerten Menschen, so einsam unter dem Tannenbaum. Denn falls ihr es nicht wusstet: ihr seid mutterseelenallein!

Holy shit. Bullshit. Sind wir nicht. Wir sind Single. So heisst das Wort. Allein ist, was ihr draus macht.

Und selbst wenn, genau das ist manchmal gar nicht verkehrt: mit sich sein, allein. Gerade jetzt am Ende des Jahres, wenn man die letzten 365 ach so einsamen Tage revue passieren lässt, die gar nicht so schlecht waren. Thailand-Urlaub, Gehaltserhöhung, neuer Haarschnitt. Also fasst euch mal alle an eure eigene Hand. Ob Single oder vergeben. Und denkt nach. Über euer Leben. Und kommt erst wieder zu euch wenn es knallt, peng, bumm, bäm! Feuwerwerk, Böller, Raketen.

Und dann freut euch. Auf die nächsten ach so einsamen 365 Tage. Und wenn schon. Die letzten waren toll. Auf euch, auf uns!

Es gibt kein Ende. Immer einen Anfang. Startlöcher statt Zielgerade. 365 unbeschriebene Seiten, die ihr alle füllen dürft. Mit Bildern, Stickern und Geschreibsel, rein in euer Poesie-Album. Ob Single oder als Paar. Aber nie allein. Auf 2016 !

Fernweh. Unterwegssein ist mein Ankommen 


Manchmal ist das Leben einfach „Tschick“. Mein Lieblingsroman.

„Was, wenn wir einfach wegfahren, Lada klauen und ab?“, fragt Tschick seinen Freund Maik.

„Was, wenn wir einfach wegfahren, den kürzesten Weg ans Meer?“, frage ich meine Freundin Krisi, als ich nach meinem Mallorca-Urlaub Zwischenstation in meiner Heimat Saarland mache.

Immer noch Fernweh. Also auf nach Holland. Ich bin rastlos. Wie im Buch „On the Road“ von Jack Kerouac. Zweiter Lieblingsroman.

Ich finde es nicht schlimm, dass wir uns ständig verfahren, denn ich habe hier im Auto alles, was ich brauche: Krisi auf dem Fahrersitz, Biffy Clyro aus den Boxen.

Allet tschick.

Ich denke: Es geht gar nicht ums Ankommen. Sondern ums Unterwegssein. Alle kommen im Leben gerade an: Haus, Garten, Kind. Aber ehrlich, der Gedanke an ein Reihenhaus schnürt mir die Kehle zu.

Ich will in kein Reihenhaus mit Carport. Meine Augen sind größer als Berlin. Ich will die Welt sehen. Muss raus. Ans Meer.

Da. Holland. Ich falle vom Surfbrett, die Nordsee fängt mich auf. Abgetaucht. Schön. Krisi lacht. Doppelt schön.

Ende September geht’s wieder zum Wellenreiten. Nach Thailand. Immer fort.

Conclusio: Ich bin sehr wohl angekommen. Mein Ankommen heißt Unterwegssein. Ich bin immer dort angekommen, wo die Welle höher schlägt als mein Herz, meine Freunde lauter lachen als die grauen Gedanken in meinem Kopf Kanon singen.

Ich will immer als Tschick on the Road sein, immer eine Figur aus meinen Lieblingbüchern. Bis ich mein eigenes Buch schreibe. Ich habe ganz viele weiße Seiten vor mir. Unendlich schön.

Willkommen in meiner Villa Rosa

Habe auf Mallorca ein Haus gefunden, das meinen Namen trägt: Villa Rosa.

Haus am Meer hätte ich also schonmal. Fehlt  nur noch der Mann.

Ab 17 Uhr werden montags-sonntags übrigens rosarote Cocktails serviert.

Ich lade Euch herzlich in meine Villa Rosa ein.