Es ist aus – und warum geht es keinem besser?

Er merkt, dass etwas anders ist. Aber dafür ist er nicht verantwortlich, sondern sie.

Sie ist komisch geworden. Geht immer weg. Kommt immer später zurück. Also macht er sein eigenes Ding.

Sie leben wie in einer WG. Gemeinsames Bad, einzelne Betten. Denn er schläft immer häufiger auf der Couch ein. Bleibt dann da.

Sie merkt, dass etwas anders ist. Aber dafür ist sie nicht verantwortlich. Er ist komisch geworden. Schaut sie nicht mehr an. Hört ihr nicht mehr zu. Also macht sie ihr eigenes Ding.

Irgendwann reden beide nicht mehr miteinander. Nur übereinander. Beklagen sich bei Freunden über sie und ihn. Sagen, wie schlecht es ihnen geht. Dass die Beziehung sie erdrückt. Er ist einfach zu viel geworden. Sie nur noch ein Anhängsel.

Befreiungsschlag.

In zwei Jahren ist Schluss. Bis dahin wird er eine beste Freundin haben, die viel mehr als das ist. Bis dahin wird sie was mit drei Männern angefangen haben. Ohne dass sie wirklich Lust darauf hatte. Ohne dass sie sich daran erinnern will. Es sollte nur dieses Gefühl übertünchen. Dieses Gefühl der Last. Sie wollte, dass alles wieder leicht ist. Stattdessen wurde es immer schwerer, sie schwächer.

Jetzt ist alles zusammengebrochen. Sie. Er. Die Beziehung. Endlich. Den Grund fürs Scheitern kennen sie bis heute nicht. Werden sie nie erfahren. Denn niemand hat jemals etwas gesagt. Es war dann halt Schluss. Ist ja auch besser so. Oder? Ihnen ging es ja nicht mehr gut.

Aber warum geht es ihnen jetzt nicht besser?

Er ist weg

 

 

Sie ist um die ganze Welt gereist.

Seitdem.

Als alles ausgesprochen war, konnte niemand mehr seine Worte zurücknehmen. Kein Zurück. Also hat sie ihren Koffer gepackt und ist los. Flucht nach vorne.

Sie ist nach Thailand. Zwei Wochen ohne Ziel und mit zu viel Gepäck von Insel zu Insel. Immer weiter, denn sie hatte das Gefühl, nicht anzukommen. Es war okay, aber nie war es gut. Sie war nicht weit genug weg.

Also nahm sie noch mehr Urlaub und reiste noch weiter.

Anderes Land, andere Leute.

Sie war bei einer Freundin in Kanada. Niagara-Fälle: wunderbar. War auf Mallorca auf einer Jacht übers Mittelmeer geschippert: ach, herrlich.

Sie sah den Horizont, sie sah wie groß die Welt ist, und sie lachte.

Jetzt ist sie hier. Zurück. In ihrer Dreizimmer-Wohnung in Berlin-Kreuzberg. Die Töpfe in der Küche stehen auf dem Boden. Die Wände sind kahl, da hängen keine Schränke mehr. Die Fressnäpfe stehen noch da, aber die Katze ist weg.

Hat er mitgenommen. Die Katze hat jetzt neue Fressnäpfe. In einer neuen Wohnung. Wie die wohl ist? Auch drei Zimmer, Küche, Bad, Altbau, im fünften Stock, mit Balkon? Oder Neubau, Erstbezug, mit Dachterrasse und Fenstern bis zum Boden?

Alles neu, alles toll.

Hier ist alles alt, alles leer.

Denn er ist weg.

Es ist vorbei.

Er kommt nicht mehr.

Kein Horizont. Nur Wände mit den Abdrücken der Bilder, die da mal hingen. Die Blaupausen ihres alten Lebens.

Seine Abwesenheit ist so anwesend.

Wolkenbruch

Du hast mein Leben verändert.

Wolkenbruch.
Regen.
Du hattest einen Schirm.

Und dann kam auch schon die Sonne.
Wo Schatten war, wurde es hell.
Wenn ich geweint habe, hast Du mich zum Lachen gebracht.
Wenn ich mich klein gefühlt habe, hast Du mich groß gemacht.

Es war leise. Dann kam der Blitz.
Und dann wurde es laut, denn es kam der Knall.
PENG.
Und Du warst da.
Du warst da, und mit Dir die Musik.

Und ich singe das Lied immer noch.
You came, changed the way I feel.
Schnulze.
Hit.

 

Shit.

 

Wolkenbruch.
Regen.
Ich hab keinen Schirm.

Hier ist kein Schatten. Es ist dunkel.
Ich weine nicht, ich heule.
Ich bin nicht klein, ich bin gar nicht mehr da. Denn Du hast mich mitgenommen.

Als Du gegagnen bist.

Ja, Du hast wirklich mein Leben verändert.
You came, changed the way I feel.
My life won’t be the same.