Ihr Leben ist Speed-Dating

Ihr Leben ist Speed-Dating.

Sie rast von einem Typen zum anderen. Schnell. Keine Zeit.

Ein Kerl, der war nichts, dann der nächste. Es gibt ja so viele. Zu viele. Der war zu lahm, der steckt in einer Midlife-Crisis, der hat drei Freundinnen parallel.

Laut Paarforschung begegnet man 299 Leuten, bevor man die eine 300.Person trifft, in der man mehr sieht als in allen anderen. Bis man sich endlich verliebt.

Und es hat ZOOM gemacht.

Der Weg zum Ziel ist wie das Lied von Helene Fischer: ein Marathon. Die Suche nach dem Richtigen für viele wie ein Konzert von Helene: eine Tortur.

Je länger der Weg desto geringer die Hoffnung auf die Liebe. Zweifel an Theorie 300.

Denn sie ist erst bei 189. Und zählt und zählt, und datet und datet. NIX. Kein Traummann.

Die Augen weit auf, immer nur in eine Richtung. Scheuklappen.

Sie ist auf der Suche.

Sie sollte damit aufhören.

Gelassen sein, sich zurücklehnen. Chillemille.

Denn wenn die Paar-Theorie stimmt, laufen schließlich genügend Männer da draußen herum, von denen sie die Nummer 300 sein könnte.

Warum sich die Mühe machen zu suchen, wenn man doch einfach gefunden werden kann?

Sie kann von dem Richtigen nicht entdeckt werden, wenn sie ständig auf Dates mit den Falschen hängt.

Wenn die Theorie denn stimmt. Und wenn nicht, umso besser. Dann sollte sie erst recht gelassen sein.

Denn vielleicht war es ja schon Nummer drei. Oder 188. Sie hat es nur nicht gecheckt.

Scheuklappen.

Ihr Leben ist Speed-Dating, dabei rennt sie der Liebe davon. 

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Ich vergleiche jeden Neuen mit dem Alten

Ich zähle die „ähms“ am Anfang deiner Sätze. Ich bewerte die Auswahl deiner Socken (Spongebob), ich beobachte deine Mundwinkel, die sich beim Lachen nach oben ziehen.

Dabei fällt mir nicht auf, dass du eigentlich ein nettes Lächeln hast.

Als meine Freundin mich nach unserem Date über dich ausfragt, kann ich ihr keine Antworten geben. Fragen, die ich mir nicht gestellt habe. Die ich dir nicht gestellt habe. Die jetzt Jana mir stellt.

Ich war einfach mit etwas anderem beschäftigt. Auch wie du riechst, das weiß ich jetzt gar nicht. Ob du meinen Burger bezahlt hast, auch nicht. Aber ich weiß noch, was auf dem Burger war. Avocado und Camembert. Den mochte ER immer so gerne, und irgendwann ich. Er, mit dem ich dich die ganze Zeit verglichen habe. Er, der sicher nie Spongebob-Socken getragen hätte (kindisch), er, der immer wusste, wovon er sprach und nie seine Sätze mit „ähm“ begonnen hat.

An all das musste ich denken, als ich DICH sah, ohne dich zu sehen.

Und jetzt, wo Jana mich so viel fragt, da denke ich, das mit dir wäre doch ein „janz jeiles“ Date gewesen. Hätte ich dir nur mal eine Chance gegeben. Hätte ich dir nur mal zugehört. Hätte ich dich nur mal angeschaut.

Dann wüsste ich jetzt, dass deine kleine Schwester dir die Spongebob-Socken geschenkt hat. Gespart für den großen Bruder. Süß. Dann hätte ich mitbekommen, dass deine Mundwinkel nach oben gingen, als du über Witze von mir gelacht hast. Ach echt, ich hatte Spaß? Du fandest mich gut?

Tja, habe ich einfach nicht mitbekommen.

Ich vergleiche jeden Neuen mit dem Alten. Solange ich ihn sehe, sind alle anderen unsichtbar.

So sagt man sein Date nicht ab

 

Shame on me. Mütze auf, Entschuldigung raus: In Sachen Date-Absage bin ich noch schlimmer als der Mützenmann


Ich bin wie der Mützenmann. Der Typ, der mir per SMS die mieseste Date-Absage schickte. Als ich schon da war, im 289 Kilometer entfernten Hamburg. Um ihn zu sehen.
Bin noch Agentur“, schrieb er damals.

Wie dreist. Wie feige. Wie syntaktisch mangelhaft. Dachte ich.

Ist ja nicht so, dass ich nicht genügend Programmpunkte auf meiner Hamburg-Liste hatte. Er hätte ja einfach sagen können, dass er keine Lust hat. Easy. Als wäre ich dann verletzt gewesen. Wir kennen uns ja kaum.

Und was mache ich heute? Wie sage ich mein neues Date ab? Mit ihm. Dem Pferdeschwanz-Typen, der echt nett ist. Meine Absage toppt die des Mützenmannes. Die toppt alle miesesten Date-Absagen. Denn ich habe keine.

Wie dreist. Wie feige. Ich weiß. Naja, zumindest ist die Syntax nicht mangelhaft. Es gibt ja kaum eine.

Ich schiebe das Treffen von einem Tag auf den anderen. Dreimal. Es kommt immer etwas Wichtiges dazwischen: meine Freunde, meine Familie, meine Couch.

Die Sätze, die mir von Mützenmann und Co. geschickt worden sind, sende ich nun weiter. Copy and Paste. Quasi. An ihn. Den Pferdeschwanz-Typen, der echt nett ist. Aber nett reicht nicht. Und das habe ich mich nicht getraut zu sagen.

Stattdessen schreibe ich: „Hey, ich bin gerade mit Freunden aus. Was machst Du so…?“ Von Treffen keine Rede. Das Ende schön offen lassen. Mit drei Punkten. Denn es gibt kein Ende. Es sei denn ER setzt den EINEN Punkt. Tut er auch.

Tag drei. Er: „Du hättest ja einfach sagen können, dass Du keine Lust hast. Easy. Als wäre ich dann verletzt. Wir kennen uns ja kaum.“

Kommt mir bekannt vor…

Nee, ich bin nicht WIE der Mützenmann. Ich bin SCHLIMMER. Er hat wenigstens abgesagt. Ich nicht.

Warum man sich nicht verkuppeln lassen sollte

Ich würde ja gerne über meine ersten Dates schreiben. Aber das Ganze erweist sich als schwieriger, als ich dachte.

Es gibt die Dating-App „Tinder“. Das Ende kommt bei mir hier immer schon vor dem ersten Treffen. Next, please!

Was gibt es noch? Single-Portale. Nix für mich. Außerdem: befreundete Pärchen, die meinen, ihre Single-Freunde verkuppeln zu müssen. Sie sind zweisam und glücklich, folglich sind aus ihrer Sicht Singles einsam und unglücklich. Denn ihnen fehlt ja was. In diesem Fall das „Z“ und das „W“, das aus zweisam einsam macht. Dafür hat einsam ein „N“ dazugewonnen. 2:1.

Aber es geht hier nicht ums Verlieren oder Gewinnen, aus Pärchensicht NUR ums Gewinnen: Ein Kerl für Evelyn muss her.

Here we are. Das Ding bei Kuppelei-Versuchen ist, man weiß erst, dass man Laborratte in einem Flirt-Experiment ist, wenn man diesem voll okayen Kollegen von Timo gegenübersitzt.

Die Falle schnappt zu: Ich bin die verflixte Ratte, und tot, bevor ich von dem Käse genascht habe, denn der stinkt zum Himmel.
Timos Kollege trägt die gleichen Klamotten wie mein Ex, redet wie mein Ex, mag dieselben Bands wie mein Ex.

Warum sollte ich eine Kopie meines Verflossenen suchen, wenn es mit dem Original nicht geklappt hat?
Letzte Woche fragte mich meine Freundin, auf welchen Typ Mann ich stattdessen stehe: den Abenteurer, den Tröster oder den Kumpel?

Ich weiß es nicht. Aber ich weiß eins: Um das herauszufinden, muss ich mich in den Dating-Dschungel wagen. Ohne „Tinder“ und Pärchen-Freunde. Dafür mit rosarotem Lippenstift.

Drei Freundinnen und ein Dating-Plan

alinainnaich

Ich schnüre mir meine Sportschuhe zu, und dann geht es los. Die Vergangenheit ist hinter mir, die kenne ich. Ich will wissen, was vor mir liegt.

Startschuss: Der Dating-Marathon beginnt. Da ich aber überhaupt nicht weiß, wie ich mich darauf vorbereiten soll, brauche ich einen Coach. Was für ein Glück, ich habe gleich zwei: meine Freundinnen Alina und Inna.

Alina: Du kannst nicht einfach drauflos laufen. Du musst wählerisch sein, und erstmal wissen, was für einen Typen du jetzt brauchst. Den Tröster? Das pure Abenteuer? Den coolen Kumpel?
Inna: Quatsch, lauf‘ einfach los, und der erstbeste, dem du in die Arme fällst, der ist es dann.
Alina: Oder so.

Die Coaches entscheiden sich für den ersten Kurzstreckenlauf durch Berlin: in Mitte findet Evelyn ’ne Schnitte. So meinen sie. Und sie haben recht. Herzrasen gleich in der ersten Bar. Er ist der Typ Christian Bale. Und macht mir Angst. Die geballten 1,83 Meter aus Batman und Bateman sind zu groß für mich.

Ich kann ihn nicht ansprechen. Schnappatmung. Er ist definitiv Typ Abenteuer! Und ich bin wohl eher Typ „ein Schritt nach dem anderen“.

Ich falle in die Arme von Alina und Inna. Sie feuerten mich an als Coaches, dann fangen sie mich auf als Freundinnen. Jetzt sind wir alle aus der Puste. Ein Wort überholt das nächste. Debatte: mein Trainingsplan. Ja, ich finde auch über den sollten wir nochmal reden, bevor ihr mich ins nächste Rennen schickt. Ich gehe heute mit einem Trostpreis nach Hause: Muskelkater. Nicht in den Beinen, im Bauch. Vom Lachen.

Die Abende mit Euch sind die besten, auch ohne Männer. Oder gerade deswegen.

Suche Plattenspieler, Musik egal

Ach, wir sind doch alle auf der Suche…

Peter, 32: ist gerade von Magdeburg nach Berlin gezogen. Neue Wohnung, neuer Job. Jetzt muss nur noch eine neue Freundin her. Er und Jessica lieben beide das Meer, das muss genügen als gemeinsame Basis. Er mag das Leben spüren, sie will sich lieber mit ihm auf der Couch verkrümeln. Er will in die Wilde Renate und gleich danach ins Berghain. Nie nach Hause. Eigentlich nie zu ihr. Dass sie sich dabei immer verpassen, merkt er nicht. Jessica macht Schluss, fährt alleine ans Meer. Peter datet jetzt Sabine, die Dramaturgin ist. Nun mag er Oper, und meint, dass Verdi gut zu Spaghetti aglio olio und vino bianco passt. Und er zu ihr.

Sandra, 28: ruft ihren besten Freund Paul 62 Tage und Nächte an, weil sich Sebastian nach 8 Jahren von ihr getrennt hat. Als erstes um 7 Uhr morgens: „Meinst Du er hat was mit seiner Ex?“ Verständnis. Zuletzt um 2 Uhr nachts. „Ich versteh einfach nicht, wie das alles passiert ist.“ Verständnis. Am Tag 63 präsentiert sie ihren neuen Freund Mario. Ihre große, große Liebe, vor fünf Tagen auf Tinder kennengelernt. Kein Verständnis. Ihr letzter Anruf ist zehn Stunden her: „Er hat sicher keine Neue, aber warum will er mich dann nicht?“ Mario will sie. Puh, Glück gehabt.

Peter und Sandra treffen sich zwei Monate später auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz. Peter trägt jetzt ein Nine-Inch-Nail-Bandshirt und einen Vollbart. William Fitzsimmons statt Verdi. Ihre Hände berühren sich, als beide gleichzeitig nach einem alten Plattenspieler greifen. Peter kauft das Teil, denn: „super Preis für das Teil, ist original, das Teil. Kein retro, das Teil.“ Und Sandra nimmt er auch gleich mit. Denn auch geiles Teil. Weil big love, Liebe auf den ersten Blick. Schicksbegegnung. Peng und so. In Peters Schlafzimmer hängt jetzt ein Poster von Bob Dylan. Auf dem Schreibtisch hat der Plattenspieler seinen Platz gefunden, auf der Bettkante Sandra. Peters Kleiderschrank ist voll: noch mehr Bandshirts, American Apparel, aber auch viel retro halt. Das Plattenregal ist leer. Sein Herz auch.

Kein.Platz.für.Inhalt.
Suche Plattenspieler. Musik egal.
Suche Beziehung. Person egal.
Suche Rahmen. Bild egal.
Suche Liebe. Weißnichtwasdasist.

Die einen sind auf der Suche nach der Liebe. Die anderen nach einer Beziehung.
Die einen sind auf der Suche nach sich selbst und hören Bob Dylan.
Die anderen kaufen sich einen Plattenspieler.