Das ist die Methode zum Glücklichsein

Vielleicht ist aber auch einfach alles egal. Wir können unsere Zukunft eh nicht beeinflussen.

Also machen wir uns doch einfach weniger Gedanken.

Und leben im Hier und Jetzt. Und zwar JETZT.

Nee, ich werde nicht esoterisch. Ich werde auch keine Umschulung zur Yoga-Lehrerin machen. Ich atme einfach nur tief ein und aus. Und das Ganze nochmal von vorne. Bis ich das Gefühl habe, nicht mehr zu ersticken.

Ganz ohne Yoga-Matte. Da, wo ich gerade bin. Und dann mache ich die Augen wieder auf. Die hatte ich nämlich die ganze Zeit geschlossen. Und jetzt schaue ich genau hin. Ich meine richtig. Wann habt Ihr Fremden auf der Straße zuletzt in die Augen geblickt, sie wirklich wahrgenommen? Ich sage freundlich „Guten Tag“.

Wie kann ich erwarten, dass die Welt mich anlächelt, wenn ich sie nicht anstrahle?

Ich bin der Überzeugung, dass es jetzt heller ist. Doch doch, hier kam gerade die Sonne kurz raus. Vielleicht muss ich ja nicht dauernd nach L.A. Vielleicht sollte ich viel mehr L.A. sein. Mehr strahlen. Wie die Sonne da. Vielleicht wird ja dann auch hier alles gut. In Berlin. Oder wo ich auch gerade bin.

Ich atme immer noch ein und aus und denke immer noch ziemlich wenig nach. Das klappt. Für diesen Moment ist alles gut. Ich frage mich: Wenn ich das ab jetzt immer so mache, dann ist doch jeder Moment richtig gut, oder? Also das ganze Leben lang?

Ich nehme noch einen Atemzug. Drehe mich im Kreis wie als kleines Mädchen. Es funktioniert.


Es ist aus – und warum geht es keinem besser?

Er merkt, dass etwas anders ist. Aber dafür ist er nicht verantwortlich, sondern sie.

Sie ist komisch geworden. Geht immer weg. Kommt immer später zurück. Also macht er sein eigenes Ding.

Sie leben wie in einer WG. Gemeinsames Bad, einzelne Betten. Denn er schläft immer häufiger auf der Couch ein. Bleibt dann da.

Sie merkt, dass etwas anders ist. Aber dafür ist sie nicht verantwortlich. Er ist komisch geworden. Schaut sie nicht mehr an. Hört ihr nicht mehr zu. Also macht sie ihr eigenes Ding.

Irgendwann reden beide nicht mehr miteinander. Nur übereinander. Beklagen sich bei Freunden über sie und ihn. Sagen, wie schlecht es ihnen geht. Dass die Beziehung sie erdrückt. Er ist einfach zu viel geworden. Sie nur noch ein Anhängsel.

Befreiungsschlag.

In zwei Jahren ist Schluss. Bis dahin wird er eine beste Freundin haben, die viel mehr als das ist. Bis dahin wird sie was mit drei Männern angefangen haben. Ohne dass sie wirklich Lust darauf hatte. Ohne dass sie sich daran erinnern will. Es sollte nur dieses Gefühl übertünchen. Dieses Gefühl der Last. Sie wollte, dass alles wieder leicht ist. Stattdessen wurde es immer schwerer, sie schwächer.

Jetzt ist alles zusammengebrochen. Sie. Er. Die Beziehung. Endlich. Den Grund fürs Scheitern kennen sie bis heute nicht. Werden sie nie erfahren. Denn niemand hat jemals etwas gesagt. Es war dann halt Schluss. Ist ja auch besser so. Oder? Ihnen ging es ja nicht mehr gut.

Aber warum geht es ihnen jetzt nicht besser?

Ich vergleiche jeden Neuen mit dem Alten

Ich zähle die „ähms“ am Anfang deiner Sätze. Ich bewerte die Auswahl deiner Socken (Spongebob), ich beobachte deine Mundwinkel, die sich beim Lachen nach oben ziehen.

Dabei fällt mir nicht auf, dass du eigentlich ein nettes Lächeln hast.

Als meine Freundin mich nach unserem Date über dich ausfragt, kann ich ihr keine Antworten geben. Fragen, die ich mir nicht gestellt habe. Die ich dir nicht gestellt habe. Die jetzt Jana mir stellt.

Ich war einfach mit etwas anderem beschäftigt. Auch wie du riechst, das weiß ich jetzt gar nicht. Ob du meinen Burger bezahlt hast, auch nicht. Aber ich weiß noch, was auf dem Burger war. Avocado und Camembert. Den mochte ER immer so gerne, und irgendwann ich. Er, mit dem ich dich die ganze Zeit verglichen habe. Er, der sicher nie Spongebob-Socken getragen hätte (kindisch), er, der immer wusste, wovon er sprach und nie seine Sätze mit „ähm“ begonnen hat.

An all das musste ich denken, als ich DICH sah, ohne dich zu sehen.

Und jetzt, wo Jana mich so viel fragt, da denke ich, das mit dir wäre doch ein „janz jeiles“ Date gewesen. Hätte ich dir nur mal eine Chance gegeben. Hätte ich dir nur mal zugehört. Hätte ich dich nur mal angeschaut.

Dann wüsste ich jetzt, dass deine kleine Schwester dir die Spongebob-Socken geschenkt hat. Gespart für den großen Bruder. Süß. Dann hätte ich mitbekommen, dass deine Mundwinkel nach oben gingen, als du über Witze von mir gelacht hast. Ach echt, ich hatte Spaß? Du fandest mich gut?

Tja, habe ich einfach nicht mitbekommen.

Ich vergleiche jeden Neuen mit dem Alten. Solange ich ihn sehe, sind alle anderen unsichtbar.

Wir sind all das, weil wir das eine nicht sein können

Wir klettern auf Bäume. Wenn wir oben sind, essen wir Äpfel. Oder Birnen. Was halt da ist. Oder mitgebrachte Gummischlangen. Wie früher.

Wir sind wie Kinder.

Wenn der eine was hat, was der andere nicht bekommen kann, streiten wir, sind eifersüchtig. Am liebsten würde ich dich an den Haaren ziehen, petzen, aber fünf Minuten später wieder vertragen. Denn am Ende gönne ich es dir natürlich. Alles Glück der Welt. Und du mir.

Wir sind wie Geschwister.

Wenn ich was habe, rufe ich dich an. Auch um fünf Uhr in der Früh. Du hast dich nicht darüber beschwert. Nur deine Freundin. Als sie dich rausgeworfen hat, habe ich dich reingelassen. Um fünf Uhr in der Früh. Ich habe mich nicht darüber beschwert. Nur deine Freundin.

Wir sind wie beste Freunde.

Dein Hund hört nicht auf dich. Aber auf mich. Also komme ich mit euch in den Park, sage „Sitz“ und Carl macht Sitz und du sagst „brav“ und „fein“ und freust dich über deine Erziehungserfolge. Und ich freue mich, dass du dich freust. Fein.

Dann sind wir wie Mama und Papa. Du, ich und Carl, der Hund.

Du lachst. Ich höre dich. Ich sehe dich. Ich fühle. Dich.

Wie Kinder. Wie Geschwister. Wie beste Freunde. Wie Eltern.

Eben nur WIE.

Wir sind all das, weil wir das eine nicht sein können.

Das, was wir eigentlich sind. WIR statt WIE. Ein Paar.

Das weißt du, das weiß ich. Du sagst nichts. Ich sage nichts.

Du lachst immer noch. Ich auch. Und wir gehen mit Carl nach Hause. Ich zu mir. Du zu ihr.

Seitdem du da bist

Es wäre ein ganz normaler Tag. 29 Jahre lang war es das auch. Ein ganz normaler Tag. Bis du gekommen bist. Jetzt bist du da.

Seit nun schon drei Jahren. Und du wirst das hier alles gar nicht lesen. Und du wirst manches vielleicht noch gar nicht verstehen. Das, was wir für dich veranstalten.

Warum im Wohnzimmer so viele Luftballons sind, warum heute alle ein bisschen mehr am Rad drehen als sonst, warum du ein kleines bisschen länger aufbleiben darfst und ein kleines bisschen mehr Süßkram essen darfst. Aber du spürst, es geht um dich. Und mehr musst du nicht wissen. Denn darum geht es. Um dich. Und heute noch ein bisschen mehr.

Weil wir so froh sind, dass es dich gibt. Und jede Sekunde deines kleinen Lebens, jedes Quieken deines Lachens ist es Wert, zelebriert zu werden.

Gerade an diesem Wochenende. An deinem Geburtstag.

Jetzt wirst du die drei Kerzen ausgeblasen haben, die vielen kleine Päckchen ausgepackt haben. Von mir gab es extra viele. Es ging weniger um den Inhalt. Ich weiß, du packst so gerne aus. Du bist neugierig. Wie ich. Deine Patentante.

Ach, Kleine! Wenn du wüsstest, was du noch alles entdecken wirst. Deine Augen werden noch so viel größer, dein Lachen immer lauter, deine Sprünge riesengroß.

Und mein Herz wird dabei immer leichter.

Happy Birthday, Emelie. Ich werde mit dir noch so viel auspacken, du wirst staunen!

Wir sind alle der Egon von irgendwem – Warum wir den wollen, der uns nicht will

 

Hey Millhouse, willst du mein Egon sein?


Hey, schau mal das Foto hier. Das Mädel sieht aus wie du – da musste ich an dich denken“, diese Zeilen ploppen auf dem Display meiner Freundin auf.

Bevor ich das Foto sehen kann, dreht sie das Handy um, rollt mit den Augen, redet weiter von diesem einen Kerl, den sie so toll findet, und lächelt wieder.

Seit Monaten ist sie hinter ihm her. Ihr Super-Max. Seit Stunden redet sie von Max. Ich unterbreche sie. „Zeig mir das Bild! Das ist doch von IHM.“ Ihm, dem anderen Kerl, der wiederum seit Monaten hinter IHR her ist. Sie nennt ihn Loser-Egon. Und seit Stunden denkt er scheinbar wieder nur an sie, meine Freundin.

Verrückte Welt. Warum will man NICHT den, der einen will? Warum will man dafür den, der einen nicht will?

Ich frage sie. „Er ist nervig“, sagt sie über Loser-Egon. Über Super-Max sagt sie: „Er fordert mich heraus, es wird nicht langweilig. Er hat sein eigenes Leben, konzentriert sich nicht nur auf mich.“

Ist das nicht genau der Grund, warum Beziehungen scheitern? Dass man nicht mehr im Mittelpunkt steht, sich zurückgesetzt fühlt? „Stell dir doch mal mit beiden eine Beziehung vor“, schlage ich ihr vor.

Aber sie ist in Gedanken schon wieder nur bei Max. „Heute schreibe ich ihm noch nicht, aber morgen. Dann ist es eine Woche her, dass ich ihm geschrieben habe. Dann wirke ich nicht zu needy“, redet sie mehr mit sich selbst als mit mir.

„Wann hat er das letzte Mal geschrieben?“, frage ich.

„Vor einem Monat. Aber das tut nichts zur Sache, er ist sehr beschäftigt“, sagt sie.

„Kann es sein, dass du sein Egon bist?“, frage ich sie.

Zum ersten Mal seit Stunden ist sie kurz still.

Berlin, ich hasse Dich. Nein, warte, ich liebe Dich doch!

Mit Berlin ist es wie mit einer Beziehung.

Einer langen Beziehung, die manchmal auch runterzieht. Von November bis April. Und dann doch wieder aufbaut. Von Mai bis Oktober.

Wir verfluchen diese Stadt, in der wir uns manchmal allein gelassen fühlen, obwohl wir ein Teil von ihr sind. Denken oft drüber nach, wie es wohl wäre, von hier wegzuziehen. Tun es aber nie. Stellen uns unser Leben in Hamburg, Köln und in einer Stadt, von der wir nicht mal wissen, wo sie liegt, vor. Oder in einem Dorf. Landsehnsucht.

Wie es wohl wäre, dieses andere Leben?

Es ist mein letzter Abend in Berlin, bevor es in die Ferien geht. Ich schaue über die Dächer der Stadt. Der Stadt, die mir in den letzten Wochen die Luft zum Atmen genommen hat. Zu laut, zu eng, zu wenig ich. Kein Platz für mich.

Dieses Panorama ändert sich nie: Baukran neben Baukran. So war das schon, als ich vor vier Jahren hergezogen bin. Damals dachte ich: Berlin liegt jetzt vor dir. Zu deinen Füßen. Baukran neben Baukran = alles möglich. Hier passiert etwas. Ständig entsteht Neues. Auch aus mir? Macht Berlin aus mir etwas Neues?

  
Vielleicht muss man aus Berlin gar nicht weg. Eben aus diesem Grund.

Man verändert sich nicht außerhalb von Berlin. Sondern in Berlin. Mit Berlin. Wie in einer gutfunktionierenden Beziehung.

Und jetzt, wenn ich Berlin für ein paar Wochen fremdgehe, kriege ich ein schlechtes Gewissen. Weil ich schlecht über meine Stadt gedacht habe. Ich liebe sie doch.

Die Baukräne werden noch dasein, wenn ich zurückkomme. Gewiss. Und dann wird etwas Tolles passieren. Mit mir. Mit ihr. Mit uns. Neues Bauprojekt. In der Hinsicht bleibt sich Berlin treu.

Und ich bleibe Berlin treu. Meine längste Beziehung.

Ich male mir meine Zukunft aus Punkten und nenne mich Monet

Ich male mir meine Zukunft aus Punkten und nenne mich Monet

Punkt bedeutet Ende. Ich finde aber, aus vielen Punkten kann man einen schönen Anfang malen

Umzingelt von vier weißen Wänden. Sie erzählen nichts und wollen so viel.

Ich sitze in meiner Wohnung.

Statt Sommer ist wieder Herbst, und mir ist kalt. Die Gedanken werden grau.

Jetzt sind auch die Wände grau. Und kommen immer näher.

Sie sind schwarz. Da.

Ich zwänge mich durch den engen Spalt, flüchte nach draußen in die Berliner Nacht. Luft. Klarsehen, klar denken.

Aber hier ist es nicht heller. Hier ist es nicht bunter. Hier ist es so … Berlin. Und Berlin ist ein Monet. Von Nahem betrachtet ein einziges Chaos.

Auszug Revaler Straße:

Kaputte Bierflaschen auf dem Boden. Ich sehe: Grün, Weiß, Braun.

Drei Dealer, die mich anquatschen. Ich höre: Marihuana. Koks. MDMA.

Ein Paar, das sich küsst. Wenigstens das. Ich stelle mir Comic-Sprechblasen vor. SCHMATZ. SCHMATZ. SCHMATZ.

Pop-Art im Impressionismus. Roy Lichteinstein trifft Monet. Dit is Berlin. Und ich mittendrin. Aber in der Liebesszene bin nicht ich die, die der Mann küsst. In Lichtenstein-Sprache: URGH!

Ach, mein Berliner Leben, ich mach jetzt einfach selbst Kunst aus dir! Male mir mein eigenes Bild. Bin mein eigener Monet. Das geht so: Punkt. Punkt. Punkt. Einer neben dem anderen. Punkt bedeutet Ende. Setzt man alle Punkte aber nebeneinander, entsteht irgendwann ein Anfang. Mein Anfang.

Nur sehe ich das noch nicht. So ist das eben mit einem Monet. So ist das eben mit mir und meinem Berlin. Ist man mittendrin, erkennt man das große Ganze nicht, verliert sich in unwichtigen Details.

Also mache ich mich auf den Heimweg. Das Bild nehme ich mit, hänge es zu Hause an meine vier weißen Wände. Sie sind jetzt bunt. Erzählen viel. Ich gehe einen Schritt zurück und höre zu.

Ich will einen Handwerker!

  

Ich will einen Handwerker.

Ich will einen Handwerker, der mir mit seinem Bolzenschneider mein Fahrradschloss aufknackt.

Es ist Frühling, ich will Radfahren, den Schlüssel habe ich im Winter verloren.

Ich will einen Handwerker, denn meine Heizung muss entlüftet werden. Ich kann das selbst, mir fehlt aber das Werkzeug. So ein Schraubenzieher, der um die Ecke geht. So einen kleinen. Den haben nur Männer. Ich nicht.

Ich will einen Handwerker, der mir endlich mein Leben zusammenschreinert. Vier rosarote Wände, einen knarksenden Holzfussboden, weiße Schwedenholz-Verkleidung in der Küche. Einen großen, alten Holztisch in der Mitte, an den alle dranpassen: Mama, Papa, Bruder, Oma, Freunde. Kinder. Und der Handwerker.

Ich mache dann Hirschgulasch und Rotkraut. Für alle. Das Fleisch ist zu trocken, das Rotkraut zu weich. Ich heule, weil ich so wahnsinnig schnell frustriert bin. Aber der Handwerker ist ja da. Er ist handwerklich begabt. Er nimmt mich in seine Spannbreite-1,88m- Handwerker-Arme. Sie umschlingen meine gestauchte 1,66m Komplett-Existenz. Er hebt mich in die Luft und meine Welt wieder in die Angeln. Mein Handwerker. Mit seinen starken Armen.

Dann macht er Mousse au chocolat. Mein Handwerker. Mit seinen zarten Händen. Wenn alle mit verschmiertem Schokoschnuten an unserem Holztisch sitzen und „Mhh“ und „Ohh“ machen, grinst er mich an und behauptet, ich habe den Nachtisch gemacht. Mit meinen kleinen Evelyn-Händen.

Ich brauche einen Handwerker, der mir den Rahmen zu diesem Bild hämmert. Dann hängt er es auf und kuschelt sich zu mir auf die Couch. Die ich ausgesucht, er aufgebaut hat.